Wann auf Winterreifen wechseln — schon im Oktober oder erst beim ersten Schnee? Dieser Ratgeber erklärt die Winterreifenpflicht in Deutschland 2026 und hilft Ihnen, Wechseltermin, Kennzeichnung und Reifenzustand richtig einzuordnen.

Ab wann sind Winterreifen in Deutschland Pflicht?
Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte dürfen Sie einen Pkw nur mit wintertauglichen Reifen auf allen vier Rädern fahren. Das schreibt § 2 Absatz 3a StVO vor. Entscheidend ist die Fahrbahn; eine allgemeine Pflicht ab dem 1. Oktober oder 1. November gibt es nicht.[1]

Die Regel gilt auch für Elektroautos und Pkw mit Allradantrieb. Diese Antriebsarten sind keine Ausnahme. Wird das Auto lediglich geparkt und bei solchen Bedingungen nicht gefahren, löst das Parken allein diese situative Pflicht nicht aus.[1]
Wann auf Winterreifen wechseln? O bis O und die 7-Grad-Regel
Die O-bis-O-Regel bedeutet „von Oktober bis Ostern“. Sie ist eine Orientierung für den Reifenwechsel. Auch regelmäßig sinkende Temperaturen unter etwa 7 °C werden als Planungshilfe genannt. Beides ersetzt keinen Blick auf Wetter und Strecke; eine gesetzliche Temperaturgrenze gibt es nicht.[8][1]

Planen Sie den Wechsel vor Fahrten, bei denen Frost oder Schnee zu erwarten ist. Für frühe Arbeitswege und Reisen in höhere Lagen lohnt sich ein früher Termin. Wer täglich auf das Auto angewiesen ist, sollte den Werkstatttermin vereinbaren, bevor Glätte angekündigt wird. Bei einem milden Nachmittag zählt auch die Wettervorhersage für die nächste Abfahrt.
Alpine-Symbol, 3PMSF oder M+S: Welche Winterreifen sind erlaubt?
Suchen Sie auf der Reifenflanke nach dem Alpine-Symbol: einem Bergpiktogramm mit Schneeflocke, auch 3PMSF genannt. Dieses Zeichen ist Teil der gesetzlichen Anforderungen an Reifen für winterliche Wetterverhältnisse. M+S allein genügt nicht.[2][18]

Die frühere Übergangsregel für ältere Reifen mit ausschließlich M+S-Kennzeichnung ist abgelaufen. Seit dem 1. Oktober 2024 reicht diese Kennzeichnung bei winterlichen Straßenverhältnissen nicht mehr aus. Das gilt weiterhin 2026 — auch für Autos mit ausländischem Kennzeichen, die in Deutschland fahren.[7]
Sind Ganzjahresreifen und Allwetterreifen im Winter erlaubt?
Ja, Ganzjahresreifen können die Winterreifenpflicht erfüllen, wenn sie das Alpine-Symbol tragen und die übrigen Anforderungen an Bereifung und Zustand erfüllen. Prüfen Sie das Zeichen direkt am Reifen. Die Verkaufsbezeichnung „Allwetterreifen“ allein ist kein Nachweis.[2]
Ob Sie einen Ganzjahresreifen oder getrennte Sommer- und Winterreifen wählen, sollten Sie anhand Ihrer Fahrten entscheiden. Vergleichen Sie Ergebnisse für Schnee, Nässe und trockene Straßen. Ein Reifen, der rechtlich zulässig ist, muss nicht automatisch die beste Wahl für Ihre Strecke sein.
Winterreifen-Profiltiefe: Sind 1,6 oder 4 Millimeter vorgeschrieben?
Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt für Pkw-Reifen in Deutschland 1,6 mm im Hauptprofil über den gesamten Umfang. Das gilt auch für Winterreifen. Das Hauptprofil liegt im mittleren Bereich der Lauffläche und umfasst ungefähr drei Viertel ihrer Breite.[2]
Der ADAC empfiehlt für Winter- und Ganzjahresreifen mindestens 4 mm Restprofil. Das ist eine Sicherheitsempfehlung, keine zweite gesetzliche Grenze. Messen Sie an mehreren Stellen mit einem Profiltiefenmesser.[9]

Wie viel Profil haben neue Winterreifen? Laut ADAC haben neue Reifen meist 7 bis 9 mm; neue Winterreifen können auch 10 mm aufweisen. Der tatsächliche Wert hängt vom Modell ab.[9]
Wie alt dürfen Winterreifen sein? DOT-Nummer richtig lesen
Eine feste allgemeine Altersgrenze für Pkw-Winterreifen gibt es nicht. Trotzdem sollten Sie ältere Reifen prüfen lassen; ausreichendes Profil allein ist kein guter Grund, sichtbare Schäden zu übergehen.[8]
Die letzten vier Ziffern der DOT-Kennzeichnung nennen Produktionswoche und -jahr: 3622 bedeutet Kalenderwoche 36 im Jahr 2022. Im Reifenkauf-Ratgeber beschreibt der ADAC nachlassende Wintereigenschaften ab etwa sechs Jahren und rät tendenziell von Winterreifen über acht Jahren ab. Das sind Empfehlungen, keine gesetzlichen Verfallsdaten.[10]

Sommerreifen im Winter: Welches Bußgeld droht?
Wer bei den gesetzlich genannten winterlichen Straßenverhältnissen mit ungeeigneten Reifen fährt, muss mit diesen Regelsätzen rechnen:[3]
- Fahrer: 60 Euro und ein Punkt in Flensburg.
- Fahrer bei Behinderung anderer: 80 Euro und ein Punkt.
- Halter, der die Fahrt anordnet oder zulässt: 75 Euro und ein Punkt.
Bei Gefährdung oder Sachbeschädigung können höhere Sanktionen hinzukommen. Sommerreifen sind nicht allein deshalb ein Verstoß, weil der Kalender Winter zeigt; für diesen Tatbestand kommt es auf die Straßenverhältnisse an.[3][4][5][1]
Unfall ohne Winterreifen: Was gilt für die Versicherung?
Bei einem durch Sommerreifen mitverursachten Unfall auf winterlichen Straßen können Kaskoleistungen wegen grober Fahrlässigkeit gekürzt werden. Auch Mitverschulden bei einem ansonsten fremdverschuldeten Unfall ist möglich. Prüfen Sie Unfallumstände und Versicherungsbedingungen.[6][14][11]

Winterreifen-Test: Welcher Reifen passt zu Ihrem Auto?
Wenn Sie nach „Winterreifen 205/55 R16 Testsieger“ suchen, prüfen Sie zuerst, ob diese Größe für Ihr Fahrzeug zugelassen ist. Gleichen Sie Größe, Tragfähigkeit und Geschwindigkeitsindex mit den Fahrzeugunterlagen ab. Ein Testsieg in einer anderen Dimension beantwortet Ihre Kaufentscheidung nicht vollständig.
Die ADAC Reifentests bieten einen Einstieg in den Vergleich. Achten Sie auf Testjahr, geprüfte Größe und Ihre wichtigsten Einsatzbedingungen. Wählen Sie nicht ausschließlich nach Markenname oder dem günstigsten Angebot.[12]
Bei Winterreifen kann unter bestimmten Voraussetzungen ein niedrigerer Geschwindigkeitsindex als die Fahrzeughöchstgeschwindigkeit zulässig sein. Dafür ist unter anderem eine passende Anzeige oder Kennzeichnung im Fahrzeug erforderlich; die zulässige Reifengeschwindigkeit darf nicht überschritten werden. Lassen Sie die konkrete Kombination prüfen.[2]
Reifenwechsel-Kosten: Was gehört zum Angebot?
Fragen Sie, ob komplette Räder mit bereits montierten Reifen gewechselt werden oder Reifen auf Felgen montiert werden sollen. Lassen Sie den Gesamtpreis für Ihre Räder nennen — einschließlich vereinbarter Zusatzleistungen wie Auswuchten, Arbeiten am Reifendruckkontrollsystem und Einlagerung. Vergleichen Sie denselben Leistungsumfang.[15]
Nach dem Wechsel sollte der Reifendruck gemäß den Herstellervorgaben geprüft werden. Für Montage und Reifendruckkontrollsystem gelten die Hinweise des jeweiligen Fahrzeugs. Ohne passende Ausrüstung und Erfahrung ist eine Werkstatt die sinnvolle Wahl.[17]
Mietwagen im Winter: Worauf müssen Sie achten?
Prüfen Sie vor der Übernahme Reifen und Zusatzkosten. Vermieter müssen ein fahrbereites, verkehrssicheres Fahrzeug übergeben; bei winterlichen Bedingungen genügen Sommerreifen dafür nicht.[11]
Schneeketten und Winterreifenpflicht im Ausland
Schneeketten ersetzen die vorgeschriebene Winterbereifung nicht. Mit Schneeketten sind in Deutschland höchstens 50 km/h erlaubt; eine niedrigere situationsbedingte Geschwindigkeit kann erforderlich sein.[1][13]

Vor einer Fahrt nach Österreich, in die Schweiz oder nach Italien sollten Sie die Regeln des jeweiligen Reiselandes prüfen. Übertragen Sie deutsche Angaben zu Zeitraum, Kennzeichnung und Profil nicht ungeprüft auf das Ausland.
Winterreifen lagern und den nächsten Wechsel vorbereiten
Lagern Sie Reifen kühl, trocken und dunkel. Kompletträder werden liegend oder hängend gelagert, Reifen ohne Felgen stehend und gelegentlich gedreht. Dokumentieren Sie bei einer Einlagerung in der Werkstatt Modell, Zustand und Profil.[16]

Für den Wechsel zurück auf Sommerreifen hilft dieselbe Planung: Wetter und geplante Fahrten prüfen, den Termin organisieren und den vorhandenen Satz kontrollieren. Ostern allein ist kein verlässlicher Freigabetermin für jede Strecke.
Checkliste: So planen Sie den Wechsel auf Winterreifen
Prüfen Sie vor dem Termin diese fünf Punkte:
- Wettervorhersage, Abfahrtszeiten und geplante Strecke berücksichtigen.
- Alpine-Symbol auf allen vier Reifen kontrollieren.
- Profil messen, DOT-Nummer lesen und Schäden prüfen lassen.
- Zugelassene Reifengröße und vollständiges Werkstattangebot vergleichen.
- Nach der Montage Reifendruck und Fahrzeughinweise beachten.
